Sein Wahlspruch „Ich glaube nicht, dass man immer nur zwischen schwarz und weiß wählen kann. Man muss sich auch häufig zwischen den verschiedenen Schattierungen des Grau hindurchfinden“ stammt von Altkanzler Willy Brandt. Wie der Jurist und ehemalige Opel-Personalvorstand Holger Kimmes ihn in seiner Arbeit als erfolgreicher Interim Manager umsetzt – und was er Interessenten und Neueinsteigern in den Beruf rät – hat er in meinem Podcast „bewerbungsstark“ verraten.

Vor dem Einstieg: das eigene Profil finden

Bevor es überhaupt um erste Aufträge gehen kann, rät Holger Kimmes allen, die sich für eine Tätigkeit als Interim Manager interessieren, zu einer Phase gründlicher Selbstreflexion. „Wenn ein beruflicher Weg, etwa als angestellter Manager, endet, muss man sich genau wie bei einer Neubewerbung die Zeit nehmen, um sich mit dieser Situation auseinanderzusetzen. Und zu eruieren: Was sind meine Stärken, meine Schwächen – was will ich, was will ich nicht. Man ist zum Beispiel als Interim Manager oft unterwegs, gerade bei größeren Projekten kann das sehr intensiv werden – das muss man wollen und können. Ich war vor meinem Wechsel ins Interim Management im Personalbereich tätig und dachte, ich wüsste schon alles über solche Prozesse. Aber wenn man selbst betroffen ist, muss man da auch selbst durchgehen – am besten mit professioneller Unterstützung. Mir war am Ende klar, dass ich nicht mehr das Bedürfnis hatte, abhängig beschäftigt zu sein. Ich habe dann einen Markt für mich gesehen und losgelegt. Nach kleineren Beratungsprojekten bin ich 2015 schließlich größer eingestiegen und nun im siebten Jahre dabei.“

Der nächste Schritt: den Markt erkunden

Der Markt für Interim Manager wächst seit Jahren und wird immer komplexer. Ihn und damit auch die wichtigsten Provider zu kennen, ist für Holger Kimmes unerlässlich. „Es gibt unglaublich viele gute Provider – das muss man sich klarmachen und in einem zweiten Schritt sein eigenes Profil auf diese Provider zuschneiden. Dazu braucht es ein erneutes internes Review, also die Klärung der Fragen, was Sie wollen und was nicht. Es gibt Provider, die bieten für alle Industrien jede Form von Interim Management an – da muss man mit einem klaren Profil hervorstechen. Meine Erfahrung ist, dass ich erst durch persönliche Gespräche mit Ansprechpartnern bei den Providern richtig in dieses Netzwerk reingekommen bin. Suchen Sie also auf jeden Fall den direkten Kontakt!“

Rollenwechsel: plötzlich selbstständig

Eine Herausforderung beim Berufsstart als Interim Manager liegt auch in der neuen Rolle, sagt Holger Kimmes: „Ich habe eine typische und recht lange Konzernkarriere hinter mir und plötzlich war ich Unternehmer. Das ist zum einen eine vollkommen andere Denke. Zum anderen kommt eine Menge neuer organisatorischer Aufgaben auf einen zu – von der Umsatzsteuervoranmeldung bis zu Haftungsfragen. Gleichzeitig bringt das Unternehmertum aber auch Freiheiten mit sich – Freiheiten in Projekten, bei der Ausgestaltung von Lösungen, die ich mir vorher nicht genommen hätte. Was für mich in der Rolle als Interim Manager das Allerschönste ist: Ich kann mich voll und ganz auf dieses eine Projekt konzentrieren. Denn ich wurde nicht geholt, um die Welt zu retten, sondern um dieses eine Projekt, diesen Teilaspekt, zu bearbeiten.“

Fortbildung: auf dem aktuellen Stand bleiben

Neue Entwicklungen im eigenen Feld, wichtige Veränderungen im Markt – „Je mehr jemand als Spezialist gefordert ist, desto wichtiger ist es, auf der Höhe der Zeit zu bleiben“, weiß Holger Kimmes. „Ich muss mein Spielfeld kennen und darf nicht von neuen Gegebenheiten überrascht werden. Ich bilde mich zum Beispiel in meinem Lieblingsfeld, dem Arbeitsrecht, kontinuierlich weiter – dank Corona ist der Online-Markt sehr gewachsen, sodass ich bequem von zuhause aus lernen kann.“ Eine ganz ungeplante Erweiterung bekam sein Profil zudem durch ein Projekt, bei dem er immer wieder als „der Mediator“ angesprochen wurde. „Dadurch habe ich mich mit dem Thema näher beschäftigt und schließlich entsprechend weitergebildet – diese Qualifikation rundet nun mein Profil im Markt gut ab.“

Das komplette Interview mit Holger Kimmes könnt Ihr hier hören oder anschauen:

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