Christian Hamer, der Gründer der Fotostudiokette, PicturePeople mit über 60 Standorten in Deutschland, den Niederlanden und Österreich, ist ein echter Experte für Businessportraits und hat auch was zu -Bewerbungsvideos zu sagen. Im Podcast/Video spreche ich mit ihm über die Besonderheiten bei Bewerbungsfotos, darüber, wie sich Bewerber vorbereiten können und was heute State of the Art in Sachen Video-Bewerbung ist.

Sind Bewerbungsfotos für Führungskräfte heute eigentlich noch up to date oder Auslaufmodell?

Es gibt immer wieder mal Bewerbungen ohne Foto, auch bei uns. Ich kann das aber nicht empfehlen und weiß auch von Personalern, dass das oft nicht gut ankommt. Einige, die das Prinzip der anonymen Bewerbung getestet haben, sind sogar mittlerweile wieder zum Foto zurückgekehrt. Ich persönlich finde ein Bewerbungsfoto sehr wichtig. Es geht dabei gar nicht um ein Bewerten – ob jemand dick oder dünn, schwarz oder weiß ist, ist mir egal. Aber ich möchte einen visuellen ersten Eindruck, ein sichtbares Gegenüber haben.
Wir nennen Bewerbungsfotos intern „Businessporträts“. Damit wird deutlicher, dass es nicht nur um Bewerbungen geht, sondern um den Menschen in seinem beruflichen Kontext. Und gerade Führungskräfte brauchen mehrere solcher Bilder, in verschiedenen Situationen und für unterschiedliche Anlässe. Für Instagram etwa geht nur ein Bild im Querformat, für einen Medienbericht zu einem ernsteren Thema braucht es ein passendes Foto – und ebenso für eine mögliche Bewerbung.

Wie muss ich den Fotografen briefen, sodass auch wirklich ein passendes Foto entsteht?

Idealerweise wissen wir vor dem Shooting, an welches Unternehmen sich die Bewerbung richtet und wo das Foto eingesetzt werden soll. Wenn es nur das klassische Foto rechts oben im Lebenslauf sein soll ist, fotografieren wir anders als bei einer aufwändigeren Bewerbung mit Deckblatt und großem Foto. Und: je selektiver man sich bewirbt, desto spezieller werden auch die Fotos. Generell rate ich beim Bewerben ohnehin vom „Gießkannenprinzip“ ab, also davon, die gleiche Bewerbung an viele Unternehmen zu schicken. Jede Bewerbung, gerade bei Führungskräften, sollte individuell verfasst und gestaltet werden – entsprechend der Corporate Identity des Unternehmens. Wir schauen uns also an, wie sich das Unternehmen und seine Mitarbeiter im Netz darstellt und fotografieren den Kandidaten entsprechend.

Eignen sich Bewerbungsfotos auch für Xing und LinkedIn?

Grundsätzlich finde ich es wegen des Wiedererkennungswertes gut, dort die gleichen Fotos zu benutzen wie in der Bewerbung. Wenn sich aber nun jemand zum Beispiel bei der Allianz bewirbt – ein Unternehmen, das ein klassisches Blau als Markenfarbe hat – kann es auch sinnvoll sein, dem Bewerbungsfoto einen ganz leichten Blauton zu verpassen. Das ist sehr zurückhaltend, sorgt aber für insgesamt stimmiger wirkende Bewerbungsunterlagen. Das sollte natürlich bei Xing und LinkedIn nicht sein. Am besten, man macht eine Serie mit je nach Adressat farblich unterschiedlich gestalteten Fotos inklusive einer neutralen Version für Xing und LinkedIn.
Was aber auf jeden Fall gilt: Ins Xing- oder LinkedIn-Profil gehört ein Businessfoto, kein Urlaubs- oder Freizeitbild! Wir arbeiten ja eng mit Xing zusammen und sehen, wie unterschiedlich die Klickraten auf Profile mit professionellen Fotos gegenüber Profilen mit unprofessionellen Fotos sind. Xing sponsert uns also nicht umsonst in seinem Angebot für Premium-Mitglieder.

Hast Du Kleidungstipps für Führungskräfte für die Businessfotos?


Allgemein empfiehlt es sich, unifarbene Kleidungsstücke zu wählen, Muster wirken auf Fotos meist unvorteilhaft. Darüber hinaus ist die Kleidung sehr stellenspezifisch. Wenn man sich in einem eher kreativen Umfeld bewirbt, ist ein Sakko nicht Pflicht, wenn man sich bei einer konservativen Bank bewirbt, gehört dagegen auch eine Krawatte dazu.

Ich rate meinen Coachees immer, dass sie auf den Bewerbungsfotos so aussehen sollten, als hätten sie in dem jeweiligen Job einen offiziellen Termin …
… genau so sehe ich das auch! Zu Beginn meiner Laufbahn kam einmal ein junger Mann ins Studio, der Fotos für seine Ausbildungsbewerbung bei der Deutschen Bank machen lassen wollte – im T-Shirt! Den habe ich gleich wieder nach Hause geschickt, zum Umziehen.

Was hältst Du von Bewerbungsvideos?

Ich bekomme tatsächlich häufig welche, aber ich habe noch keins gesehen, was mich überzeugt hat. Ich gebe den Leuten dazu dann auch immer Feedback, weil der Aufwand dafür so hoch ist. Ich hatte mal einen Bewerber, der hat mir ein 45 Minuten langes Video geschickt mit sehr vielen Empfehlungen aus seinem beruflichen und persönlichen Umfeld. Ich finde das herzzerreißend lieb, aber man muss auch sehen, wie viel Zeit ein Personaler für eine Bewerbung hat – nämlich nur Sekunden.

Ja, bei der ersten Auswahl sind es 43 bis 60 Sekunden. Dann hat der Personaler einen ersten Auswahl-Stapel und investiert etwas mehr Zeit …
… aber dafür muss man diese Hürde erstmal nehmen – ein Link zum Video reicht da nicht. Und davon abgesehen sind 45 Minuten viel, viel zu lang! Zwei bis drei Minuten sind das Maximum.

Wie sollten Bewerber sich auf ihr Bewerbungsfoto-Shooting vorbereiten?

Am besten, sie informieren sich vorab schon mal auf unserer Website oder generell im Netz über die verschiedenen Arten von Fotos, überlegen sich, was sie erreichen wollen und auf dem Foto darstellen wollen. Denn: Je informierter Du bist, desto besser kannst Du den Fotografen briefen – und desto passgenauer wird Dein Bewerbungsfoto!

Das komplette Interview könnt Ihr hier nachhören.