Als Expertin für Bewerbungen möchte ich hier über ein paar Mythen zum Thema Lebenslauf aufklären.


Gerade zum Jahreswechsel ziehen wir alle gerne mal eine Lebens-Bilanz. Dabei kommen Einigen ins Grübeln: Bin ich in meinem Job noch richtig? Sollte ich mich nicht endlich beruflich weiterentwickeln? …trotz oder gerade wegen der besonderen Situation, in der wir gerade leben…?

Tatsächlich ist der Jahreswechsel eine gute Zeit, um sich solche Fragen zu stellen. Denn viele Unternehmen schreiben zum Jahresanfang neue Stellen aus. Mitarbeiter, die wechseln wollen, bleiben meist bis Jahresanfang, um sich das Weihnachtsgeld vor dem Abgang zu sichern. Und dann ist ab Januar Bewegung auf dem Jobmarkt.

Die, die dann ihre Neujahresvorsätze in die Tat umsetzen wollen, werden dann mit einem Dschungel von Bewerbungs-Mythen konfrontiert, so dass sie oft völlig frustriert wieder aufgeben. Oft sind diese Mythen aber komplett veraltet, halten sich aber hartnäckig wie Kaugummi an der Schuhsohle. Als Expertin für Bewerbungen möchte hier über ein paar davon aufklären:

1. Mythos: „Ein Lebenslauf darf maximal 2 Seiten haben.“

Das stimmt so nicht (mehr). Wie in allen anderen Lebensbereichen gibt es auch beim Schreiben von Lebensläufen eine kontinuierliche Entwicklung über die Jahre. Der erste Lebenslauf, den ich – vor langer Zeit – gesehen habe, war 1 Seite lang mit Schreibmaschine getippt und das Bewerbungsfoto war mit einer Büroklammer daran befestigt und von Hand unterschrieben. Zu der Zeit standen aber auch nur Daten, Jobtitel und Arbeitgeber im CV.

Heute werden viel mehr relevantere Angaben zu den einzelnen beruflichen Stationen erwartet. Angefangen beim Verantwortungsrahmen über die konkreten Aufgaben, besondere Projekte und auch konkrete Erfolge. Wer, der schon mehr als 3 berufliche Stationen durchlaufen hat, will das auf 2 Seiten unterbringen?! Kurzum ein Lebenslauf darf mit zunehmender Erfahrung im Arbeitsmarkt etwas länger als 2 Seiten sein – aber bitte keine 15 Seiten (habe ich auch schon gesehen).

Was zählt ist Relevanz: Relevante Informationen zum Job, auf den man sich bewirbt. Und dabei sind natürlich die Erfahrungen der vergangen 5-10 Jahren wesentlicher und dürfen ausführlicher sein als die von vor 15 Jahren.

Ein Kapitel für sich sind dann noch Sachen wie das Deckblatt oder die „dritte Seite“, die auch mal sehr trendy war. Braucht man sowas heute oder nicht? Dazu schreibe ich in einem meiner kommenden Posts.

2. Mythos: „Ein Lebenslauf darf jetzt kein Foto mehr haben:“

Bewerbungsfoto werde immer wieder diskutiert. Ist es noch zeitgemäß? Sollte nicht lieber komplett darauf verzichtet werden? Oder es wird gar behauptet, dass Sie verboten seien.

Seit das das Allgemeines Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) 2006 in Kraft getreten ist und der Arbeitsmarkt zunehmend internationaler wird, beobachte ich eine steigende Verunsicherung und Mythenbildung zu diesem Thema.

Tatsache ist, dass seitdem das AGG gilt, Unternehmen offiziell keine Bewerbungs-Fotos mehr einfordern dürfen und niemanden nur auf Grund des Fotos bewerten sollen. Das Unternehmen das nicht einfordern dürfen, heißt aber nicht, dass es für Bewerber verboten ist Bewerbungsfotos zu nutzen. Es ist kein Pflichtbestandteil einer Bewerbung aber ein Bestandteil, auf den ich nicht verzichten würde, denn die meisten Arbeitgeber bevorzugen es nach wie vor durch Bewerbungsfotos, um einen ersten Eindruck zu gewinnen.

Aus meiner Erfahrung bevorzugen 80% der Verantwortlichen Bewerbungen mit aussagekräftigen Fotos. Aus meiner Sicht völlig verständlich, denn wir Menschen möchten uns ein erstes Bild von dem Menschen machen, der sich bei uns bewirbt, nicht nur von seinen Qualifikationen. Einstellen kann man schließlich nur den gesamten Menschen und nicht nur seine Kompetenzen.

Für mich ist der Lebenslauf Deine persönliche Werbebroschüre. Besonders beim Foto hast Du die Möglichkeit Deine Persönlichkeit ins Spiel zu bringen. Beim Lebenslauf geht es nicht nur um Daten und Kompetenzen, sondern auch um Deine Persönlichkeit. Ein hochwertiges Bewerbungsfoto, ist ein sehr wichtiger Teil des Personal Branding. Das Bild sollte genauso Dich als Typ akzentuieren wie auch zeigen, dass Du zum Stil des Unternehmens passt; dass Du deren „Sprache“ sprichst. Du hast die Wahl, ob Du das Bild hochkant, quer oder quadratisch, schwarz-weiß oder bunt auswählst. Beispielsweise wirken monochrome Bilder oft eleganter, können aber auch scharfe Konturen deutlich und unvorteilhaft betonen. Natürlich ist es auch eine Frage: Wie ist der Stil, der Unternehmen, bei denen Du Dich bewirbst: Mein Tipp dazu ist, Sieh Dir die rund 10 Deiner potenziellen Zielfirmen die „über uns-Seiten“ an: Wie präsentieren sich die Menschen dort? Pass deine Fotos – farblich und vom Stil der Kleidung – an; bleib dabei aber authentisch.

Kurzum ein hochwertiges Bewerbungsfoto weiterhin Standard und ist somit fester Bestandteil fast aller Bewerbungsunterlagen – zumindest in Deutschland.

Ich habe auch schon einige Bewerbungen gesehen, in denen die Bewerber sich ähnlich wie manche Autoren in FAZ haben skizzieren lassen. Davon rate ich ab. Das ist zwar individuell, aber als Empfänger weiß man nie wie authentisch eine Skizze ist.

Wichtig ist auch die Aktualität des Bildes. Der Wiedererkennungseffekt – falls es dann zum Interview kommt – ist enorm wichtig: Ich erinnere mich noch heute an eines meiner ersten Interviews, welches ich vor Jahren bei einer Personalberatung führen durfte: Ein Herr betrat den Raum, den ich nicht mit Foto auf dem CV in Einklang bringen konnte. In mir entflammte sofort ein schlechtes Gefühl. Gedanken wie: „Ist das der falsche Kandidat im falschen Raum? Wo ist der mein Kandidat? Was machen ich, wenn jetzt zwei Herren gleichzeitig kommen?“ Der Herr lachte und tat es ab, er hätte nur ein altes Foto genommen. Unterm Strich war es nicht der beste Einstieg in ein Jobinterview. Das geht besser.

Übrigens solltest Du unbedingt darauf achten, dass Du zusätzlich zu den Abzügen der Fotos, auch eine digitale Variante (jpg, png, tif) von Deinem Fotografen bekommst und dauerhaft ein uneingeschränkte Recht zur Veröffentlichung hast.

Last but not least ist es noch wichtig zu sagen, dass das, was ich hier zum Thema Bewerbungsfotos geschrieben habe hauptsächlich für den deutschsprachigen Arbeitsmarkt gilt. International solltest Du dich vorab gut informieren über die landesüblichen Gepflogenheiten. Als Faustregel gilt: In europäische Länder (mit Ausnahme von Großbritannien, Irland, Niederlande und Schweden), China und Japan gehört ein Bewerbungsfoto auf den Lebenslauf. Eine Bewerbung ohne Bild könnte sogar in der Priorität nach hinten rutschen.

In USA, Kanada und Großbritannien sollte man auf ein Foto auf den Lebenslauf verzichten. Unternehmen dort fürchten Ärger mit ihren Arbeits- und Antidiskriminierungsgesetze. Zudem wird es als deutsche Marotte belächelt. Es kann passieren, dass man deshalb als Bewerber aussortiert wird. Das kann auch beispielsweise für amerikanische Unternehmen hier in Deutschland gelten, wo die entscheidende Stelle in den USA sitzt.

3. Mythos: „Hobbys gibt man im Lebenslauf nicht mehr an.“

Oft wird diese Chance Personal Branding zu betreiben, nicht oder nur schlecht genutzt.

Auch hierbei gilt – wie im ganzen Lebenslauf – die Relevanz für die Position, auf die man sich bewirbt. Ergo hast Du dort etwas zu bieten, nutze es. Falls nicht lass den Punkt lieber ausfallen.

Was sind hierbei Kriterien, die dabei zu reflektieren sind:

  • Passive Beschäftigungen: Lesen, Fernsehen, Kino und Computerspiele lassen Sie passiv auch wirken und können ehr unvorteilhafte Assoziationen beim Leser hervorrufen. Deshalb würde ich empfehlen sie wegzulassen.
  • Extremsportarten kreieren zwar die Assoziation einer hohe Risikobereitschaft aber führen auch zu Diskussionen bei potenziellen Arbeitgebern, was denn passiert, wenn Du an so einer wichtigen Schlüsselfunktion ausfällst. Damit wäre ich auch vorsichtig.
  • Mit Hobbies wie Golf, Segeln, Turnierreiten oder Polo spielen können Senior Executive Kandidaten demonstrieren, dass sie sich im passenden gesellschaftlichen Umfeld bewegen, dort mit Entscheidungsträgern umgehen und über ein geschäftlich nutzbringendes Netzwerk verfügen. Das kann gerade bei Positionen mit Außenwirkung positiv wirken.
  • Weniger geeignet sind hier exotische Freizeitaktivitäten, mit denen sich nur wenige identifizieren können z.B. Schlangen züchten, Spinnen halten
  • Hilfreich ist es auch sich zu schlau zu machen, welche Aktivitäten das Unternehmen sponsert. Als Beispiele: Ein Unternehmen, welche Museen und Ausstellungen sponsert, wird sich ehr für jemanden repräsentieren lassen, der Interesse und Kompetenz in Bereich bildende Kunst hat. Ein Unternehmen, welchen exklusive Reitturniere sponsert, wird sich dort lieber von einem Reiter als von einem Fußballer vertreten lassen. Nichts gegen Fußballer. Es geht um den Fit zur Community.
  • Was in amerikanischen Lebensläufen schon lange Usus ist, rückt auch hier immer mehr in den Fokus: Ehrenämter und das Engagement in Vereinen. Daraus leiten sich Qualitäten wir Gemeinschaftssinn und soziales Engagement ab.
  • Last but not least ist zu sagen, dass „Hobbies“ gerade für Headhunter immer wieder ein dankbarer Aufhänger in Interview sind, um einen authentischen und persönlichen Eindruck vom Bewerber zu gewinnen, was von Vorteil ist. An Menschen mit Profil erinnert man sich am Ende des Tages mit drei oder fünf Interviews! Allerdings ist auch hier Authentizität gefragt: Wer Önologie als Hobby im Lebenslauf stehen hat, sollte eine Frage, wie: ob den die französischen Weine den spanischen vorzieht und weshalb, halbwegs qualifiziert beantworten können.

Und damit – Viel Erfolg beim Bewerben.

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